April 11, 2021

Asexualität – Wieso empfinde ich keine Lust?

von Jacqueline

Der Begriff „Asexualität“(ASS) ist im ersten Moment etwas irreführend. Viele denken nämlich, dass damit die Lust auf den Sex gemeint ist. Jedoch ist man nicht gleich asexuell, wenn man für eine gewisse Zeit kein sexuelles Interesse empfindet.

Für viele Menschen ist Sex unheimlich wichtig und gehört zu einem glücklichen Beziehungsleben dazu. Genau dieses Bild macht es umso schwieriger für sich selbst zu akzeptieren, dass man vielleicht nicht zu dieser „Norm“ passt. Asexuelle Menschen stoßen oft gegen Unverständnis und müssen sich deshalb häufig erklären. Aber wie findet man denn heraus, dass man Asexuell ist? Wir haben uns für dich schlau gemacht!  

Asexualität – Was bedeutet das?

Wir sehen Sex überall. In Serien, auf Social Media, wir hören davon von Freunden und auch Partnern, die wir kennenlernen, machen uns klar, wie wichtig Sex ist…Deshalb haben wir eine klare Vorstellung wie Sex sein sollte. 

Allerdings ist Sex, wie auch die sexuelle Orientierung, subjektiv. Ähnlich wie der Geschmack beim Essen, entscheidest allein du, ob und was dir schmeckt. 

Also kann man pauschal nicht sagen, was Sex wirklich ausmacht und deshalb gibt es auch für Asexualität gibt es keine klare Definition. Wissenschaftler sprechen viel eher von einer eigenen Entscheidung, welche Menschen für sich und ihr Leben, unabhängig von einem abgelegten Zölibat oder einer religiösen Überzeugung, treffen. 

Generell werden Menschen, die sich sexuell von keinem Geschlecht angezogen fühlen, als Asexuell bezeichnet. Das bedeutet, dass sie sexuelle Interaktion langweilig, überbewertet, teils auch furchtbar oder ganz okay finden. Im Grunde wird von diesen Menschen Sex als überflüssig empfunden. 

Asexualität ist keine Ablehnung gegen Sex und auch keine Krankheit. Eher lässt sich über eine sexuelle Orientierung sprechen. So wie manche Menschen eben auf Männer oder Frauen stehen, verspüren Asexuelle keinen Drang zum Sex.

Welche Ursache kann Asexualität haben? 

Asexualität ist keine Krankheit oder psychologische Störung und somit liegt dem auch keine medizinische Ursache zu Grunde. Deshalb lässt sich an einer ASS, wie auch an anderen sexuellen Orientierungen, nichts ändern.

So gesehen, fehlt es den Betroffenen an Nichts. Denn nur weil Asexuelle keinen Sex in ihrem Leben brauchen, bedeutet dies nicht, dass er auch Romantik und Zärtlichkeiten aus seinem Leben ausschließt. Im Gegenteil, denn Küssen und Kuscheln sind für viele Asexuelle wichtig und gewollt. Gleichzeitig sind diese schönen Dinge aber nicht mit der sexuellen Anziehung verknüpft.  

Asexuelle können Dinge ästhetisch, attraktiv finden und sich von körperlicher, wie geistiger Nähe angezogen fühlen. 

Wenn du hierzu gerne einen Erfahrungsbericht lesen möchtest, können wir diesen Artikel von zeit.de empfehlen. 

Wollen Asexuelle denn überhaupt eine Partnerschaft? 

Natürlich! Auch ASS können sich emotional zu einer anderen Person hingezogen fühlen. Schließlich gibt es viele Partnerschaften in denen Sex zweitrangig, eventuell auch gar nicht vorhanden ist, ohne dies zuvor jemals abgesprochen zu haben. 

Bei Asexuellen kann der Wunsch nach einer festen Partnerschaft, Berührungen, Umarmungen, Küssen, Kuscheln, Streicheln da sein! 

Aber auch gilt: Liebe, Partnerschaft, Sex etc. sind immer subjektiv und werden von jedem Individuum anders aufgefasst. Es gibt selbstverständlich auch ASS die keine Nähe zu einem anderen Menschen aufbauen wollen. 

Asexualität – Wie finde ich heraus, ob ich Asexuell bin? 

Du hast kein Interesse an sexueller Interaktion? Dann ist meist die erste Frage, welche man sich stellt: Bin ich Asexuell? 

Zunächst einmal haben viele Betroffene ähnliche Probleme. Wie oben schon beschrieben, ist Sex ein klarer Bestandteil von der Gesellschaft und somit immer Omnipräsent. Für viele Menschen ist es so erstmal Schwer herauszufinden, ob und was genau mit ihnen nicht stimmt. Oft glauben sie, dass sie bisexuell, homosexuell oder gar verklemmt sind. 

Asexualität kann, wie jede sexuelle Orientierung, unterschiedlich sein. In Fachkreisen unterscheidet man deshalb vier verschiedenen Haupttypen: 

  • A Typ: Sexualtrieb aber keine Anziehung: Du kannst dir vorstellen oder weißt sogar, dass Sex sich gut anfühlt, manchmal machst du es sogar mit dir selbst, allerdings kannst du es dir nicht mit jemand anderem vorstellen. Darin siehst du einfach keine Notwendigkeit und sieht es eher als unangenehm an. 
  • B Typ: Anziehen, jedoch kein Sexualtrieb: Du fühlst dich in jeder Hinsicht zu der anderen Person hingezogen, bis verliebt und genießt die Zeit mit deinem Partner, jedoch hast du kein Bedürfnis nach Sex mit deinem Partner. 
  • C Typ: Sowohl Anziehung, als auch Sexualtrieb: Du masturbierst gerne, findest es allerdings herabwürdigend mit deinem Partner zu schlafen. 
  • D Typ: Kein Sexualtrieb und keine Anziehung: Diese Menschen werden auch Aromantiker genannt, da sie zwar Freundschaften aufbauen können, sich jedoch nicht verlieben. 

Kann ich trotzdem eine Beziehung führen? 

Liebe und Sex sind ein großes Thema jeder Beziehung. In unserer Kultur gibt es das eine nicht ohne das andere und doch ist es natürlich möglich. Wir selbst haben schon Artikel über das Phänomen der Freundschaft Plus geschrieben und uns darüber schlau gemacht, wie es in den meisten Langzeitbeziehungen tatsächlich aussieht. 

Das altertümliche Denken vieler Menschen ist allerdings noch immer verankert. Zudem ist es schwierig eine Beziehung zwischen zwei Menschen zu ermöglichen, die Beide andere Vorstellungen von eben dieser haben. 

Stell dir vor, dein Partner liebt Sex und geht gerne offen damit um, während du als asexueller Typ die Zuneigung eher auf das Kuscheln beschränken möchtest. Auf Dauer sorgt dies für Frust und klaren Unstimmigkeiten. 

Es ist also wichtig für dich, herauszufinden was genau du dir für eine Beziehung wünschst. Unabhängig von der Norm sind mittlerweile viele Konstellationen möglich. Ob Partner nun zu Dritt zusammenleben oder keinen Sex miteinander haben, sollte nur für dich und deine Beziehung relevant sein. 

Welche Möglichkeiten habe ich in einer Beziehung?  

Für Asexuelle können offene Beziehungen eine wirklich gute Lösung sein. Meist ist für sie der sexuelle Kontakt mit anderen Menschen zweitrangig, weshalb sie ihrem Partner die Möglichkeit geben, dies bei anderen auszuleben. Die körperliche und geistige Nähe darf hierbei aber nicht beeinträchtigt werden. 

Wichtig ist, dass du es nicht verschweigst. Teile deine Vorstellung einer gesunden Beziehung mit. Sei selbst glücklich über deine sexuelle Orientierung. Ganz sicher ist sich nichts wofür du dich schämen muss! 

Fazit: 

Macht dir bitte klar, dass eine Beziehung mit Sex nur eine Möglichkeit/ Art von Vielen ist! Keineswegs muss eine Partnerschaft diese klaren Strukturen aufweisen. Du „musst“ nämlich gar nichts. 

In einer Partnerschaft sollte es immer nur um dich und deinen Partner gehen. Entscheidet ihr an Swinger-Partys teilzunehmen, das ganze Kamasutra auszuprobieren oder eine offene Beziehung zu führen kann dies natürlich auf Unverständnis stoßen, jedoch geht es um deine/eure Bedürfnisse und nicht um die Anderen. 

Gefühle können auf viele Arten ausgedrückt werden und müssen sich nicht immer über eine Liebesbeziehung äußern. Vertrauen, gute Gespräche, Lachen und Gemeinsamkeiten können meist als Zeichen größerer Intimität gelten als Sex. 

Wenn du selbst akzeptierst, dass Sex für dich keinen so großen Stellenwert hat, wirst du sicher kein Problem mehr damit haben. 

Dein MoramoreTeam <3 

Übrigens…

du kannst deine Erfahrung immer mit uns teilen. Wir freuen uns darauf etwas direkt unseren Lesern zu hören. Schreib uns doch gerne mit dem Betreff „Erfahrungsbericht“ und wir teilen ganz anonym deine Story! 

Wir freuen uns auf dich 🙂