Februar 27, 2021

Und manchmal ist es die wahre Liebe – Eine Liebesgeschichte zum eintauchen!

von Jacqueline
moramore I und manchmal ist es wahre Liebe I Herz

Du wurdest gerade erst betrogen, weshalb du keine Lust auf irgendeinen neuen Typen hast. Aber dann lernst auf einem Festival ihn kennen und auf einmal ist alles Anders! „Und manchmal ist es die wahre Liebe“ – ist eine Kurzgeschichte über die Liebe.

Die Geschichte ist für ab 16 Jahren geeignet.

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  1. 1 Festival ,wahre Liebe und Cocktails!
    1. 1.1 Wieso habe ich mich darauf nur eingelassen?
    2. 1.2 Ich nicke. Wieso nicht? Schließlich bin ich doch nur mitgekommen, um mich abzulenken.
    3. 1.3 Ok, vielleicht ist es nicht so schlimm, wie ich es nun darstelle. Ich bin froh, dass sie das Leben genießt und mich nun wieder zurückführen kann.
  2. 2 Schlammschlachten, wahre, neue Freunde und die Liebe?
    1. 2.1 Ich atme durch. Der kühle Wind, der die Nacht über das Feld trägt, weht durch mein Haar. Ich fühle das getrocknete Glitzer auf meinem Gesicht, schließe die Augen und genieße, dass in diesem Moment alles von mir abfällt.
    2. 2.2 Wütend greife ich danach. Verdammt, haben es diesen Sommer alle Männer auf mich abgesehen?
      1. 2.2.1 Himmel. Große blaue Augen starren mich fürsorglich an.
      2. 2.2.2 Reiß dich zusammen, Rosie.
      3. 2.2.3 Wirklich, Rosie? Zur Toilette? Hast du flirten verlernt?
      4. 2.2.4 Sie ignoriert meine Worte und sieht an mir vorbei zu Rayn: „Klar wolltest du.“ Auch ohne, dass sie zwinkert, weiß ich was sie sagen will.
      5. 2.2.5 Trotz des Alkohols scheine ich auf einmal wieder ziemlich klar zu sein. Auf keinen Fall gehen wir mit einem fremden Typen in seine Hütte! Auch nicht wenn er so aussieht.
      6. 2.2.6 Meine Gedanken drehen sich im Kreis. Als würde sich die Situation überschlagen und eine Eigendynamik bekommen, nicke ich. Wieso tue ich das?
  3. 3 Ist das der Zauber des Festivals?
    1. 3.1 Das kleine Häuschen besteht aus einer riesigen Glasfront, von welcher aus man in die Menge des Festivals sehen kann. Die große Bühne, das Riesenrad dahinter und die Berge von Nevada bilden eine unglaubliche Kulisse. Ich kann gerade selbst nicht fassen, dass dieser blöde Zusammenstoß, mich zu dieser unfassbaren Aussicht gebracht hat.
      1. 3.1.1 Ich schlucke. Das entspricht nicht gerade meinem Kleidungsstil, allerdings ist wahrscheinlich alles besser als das verschmutze Kleid. Dankbar nehme ich es entgegen.
      2. 3.1.2 Mit diesem spielerischen Pferdeschwanz, den goldenen Ketten und dem Glitzer in ihrem Haar, wirkt sie kindlich. Doch mit diesem markanten Gesicht, ihren schönen Augen und diesen Wangenknochen könnte sie locker als Model durchgehen. Gepaart mit dieser lockeren, liebevollen Art ist sie fast zu Perfekt um wahr zu sein.
      3. 3.1.3 Während das Pro in meinem Kopf deutlich überwiegt, werde ich bei dem Worten Vorstellungsgespräch und helfen hellhörig.
      4. 3.1.4 Wieso habe ich mich die letzten Jahre nochmal vor allem verschlossen und mich für Oliver aufgegeben?
      5. 3.1.5 Ich hüstle etwas verlegen und nicke.
      6. 3.1.6 „An diesem Wochenende?“, unterbreche ich ihren verheissungsvollen Blicke.
      7. 3.1.7 Darauf heben wir die Gläser, indessen das Feuerwerk einsetzt. Das ist wirklich der Höhepunkt des Wochenendes.
  4. 4 Fassung wahren oder Durchdrehen? Lieben oder Hassen?
    1. 4.1 Ich nicke den großen blauen Augen entgegen und widme mich wieder meinem Glas. Vielleicht sollte ich einfach meine Freundin aus dem Whirlpool zerren und sie zwingen mit mir gemeinsam zu tanzen.
      1. 4.1.1 Sein Lachen ist tief und trifft jeden Nerv in meinem Körper. Gott, ist das der Alkohol oder wieso fühle ich mich so zu diesem Mann hingezogen?
    2. 4.2 „Jetzt schau nicht so leidlich. Ich bin kein Serienmörder, schaue gerne Netflix und stehe durchaus auf Fas Food“, seine sarkastische Stimme entlockt mir dann doch ein Lächeln.
      1. 4.2.1 Ich nicke und trinke von meinem Drink. Vielleicht sollte ich dieser Situation doch eine Chance geben.
      2. 4.2.2 Der innere Dialog, welchen ich mit mir in den letzten Monaten des öfteren gehalten habe, bricht aus mir heraus. Ich kann die Fassung nicht mehr wahren, den Verlust über meine Liebe nicht länger verdrängen und es platzt einfach aus mir heraus.
      3. 4.2.3 Jubelnd stimmt der Rest mit ein.
  5. 5 Kein Schlafplatz, oder doch?
    1. 5.1 Ich kann mir ein Lachen nicht verkneifen.
    2. 5.2 Die Art wie er meinen Namen ausspricht, bringt meinen ganzen Körper in Vibration.
      1. 5.2.1 Rayn fährt sich verlegen durchs Haar: „Ich kann auch gerne auf die Couch gehen und du schläfst einfach in meinem Zimmer.“ Mit einem Ernst in der Stimme wie ich ihn nicht erwartet hatte, sieht er mich an.
      2. 5.2.2 Trotz der durchzechten Nacht rieche ich noch sein himmlisches Parfüm.
    3. 5.3 Meine Augen sind geschlossen. Verdammt. Ich habe bis jetzt nur einmal jemanden in Flagrante erwischt. Meinen eigenen Freund. Deshalb schiebt sich das eben Gesehene in das damals erlebte. Augenblicklich ist mir schlecht.
      1. 5.3.1 „Das wäre mir wirklich unangenehm…“, flüstere ich.
      2. 5.3.2 Ich versuche zu nicken. Ob ihm wohl aufgefallen ist wie schnell mein Herz pumpt? Meine Glieder zittern, ich fühle mich müde und unglaublich wach zugleich. Was ist nur los mit mir?
    4. 5.4 Ich kann nicht fassen wie ehrlich ich zu einem Fremden bin.
      1. 5.4.1 Seine Stimme klingt nicht zweideutig, nicht verrucht oder gar obszön. Im Gegenteil, er wirkt dankbar für die Geste.
      2. 5.4.2 Das er nicht mehr auf dem College ist, habe ich mir gedacht. Sein muskulöser Körper, diese Lachfalten und seine männliche Art haben ihn verraten. Er ist definitiv älter als ich.
      3. 5.4.3 Rayn nickt und tut es mir nach. Er legt sich zur Seite und sieht mit diesen blauen Augen in meine: „Doch sie muss scheiße nochmal weh tun, damit die richtige Liebe dann umso mehr gut tut.“
      4. 5.4.4 Ich lege meine Hand auf seine. Auch wenn die Berührung dafür sorgt, dass ich fast einen Infarkt erleide, genieße ich sie gleichzeitig. Es fühlt sich geborgen an.
  6. 6 Eine Nacht, die alles verändert ?
    1. 6.1 Bin ich etwa auf Rayns Brust gerollt?
    2. 6.2 Ich schlage mir gegen die Stirn. Dieser Typ ist wirklich geduldig.
      1. 6.2.1 Verbringt er die Hälfte seines Lebens im Fitness? Er sieht in dieser Boxer einfach verboten gut aus.
    3. 6.3 Was passiert hier?
    4. 6.4 Was? Wieso?
    5. 6.5 Was ist da gerade zwischen uns passiert?
  7. 7 Echte Küsse, wahre Liebe und andere Schandtaten?!
    1. 7.1 Verdammt. Ich sehe dem Festival-Wagen nach der gerade wieder den Hügel hinauffährt.
    2. 7.2 Was haben sie vor?
    3. 7.3 Was wirklich? Das können sie mir doch nicht antun.
      1. 7.3.1 Wir sehen uns an und lachen: „Mit deinem Professor?“
    4. 7.4 Ich neige mich ihm etwas entgegen, bis sich unsere Lippen treffen.
      1. 7.4.1 Ihm hat dieser Kuss genauso gefallen wie mir?
      2. 7.4.2 Er sieht mich kurz an, dann schließt er mich fest in die Arme: „Du bist so schön und der Alkohol..ich wollte dir, also uns…“
  8. 8 Alltag, eine Lüge und Vermissen
    1. 8.1 Wieso? Das weiß ich nun auch nicht mehr.
      1. 8.1.1 Wieder verdrehe ich die Augen, allerdings wird er das nicht sehen, da ich noch immer die Sonnenbrille trage: „Was willst du?“
    2. 8.2 Shit. Der Ball des College , daran habe ich gar nicht gedacht!
  9. 9 Wahre Überraschungen und viel freundschaftliche Liebe!
    1. 9.1 Ich bin frei.
      1. 9.1.1 Miriam senkt ihren Blick und in diesem Moment verstehe ich, worauf sie hinaus will. Ganz offensichtlich haben sich auch ihre Pläne geändert.
  10. 10 Und zwischen all dem ist da wahre Liebe?
    1. 10.1 Ihn nun kennenzulernen, brachte mich leicht aus der Fassung.
    2. 10.2 Shit.
      1. 10.2.1 Er nickt und das Grinsen in seinem Gesicht wird noch breiter: „Dann habe ich wohl die richtigen Rekrutier eingestellt.“
      2. 10.2.2 Was hat es zu bedeuten, wenn der Mann, der seit ein paar Tagen in meinem Kopf herumgeistert, mein Chef ist? Sind das wahre Gefühle und liebe ich ihn?
    3. 10.3 WAS?
      1. 10.3.1 Ich lecke mir über die Lippen, indessen er noch näher kommt und meine Augen fixiert.

Festival ,wahre Liebe und Cocktails!

Das ist wirklich ein schöner Mist. 

Als Miriam, meine beste Freundin, mich überredete auf dieses Festival zu gehen, hatte ich nicht mit diesen Massen an Menschen gerechnet. Natürlich habe ich bereits in Instagram von den gutbesuchten, öffentlichen Musikveranstaltungen gehört, trotzdem bin ich auf diesen Ansturm nicht vorbereitet. Wir sind gerade erst angekommen, haben uns durch die langen Schlangen gedrückt und stehen nun auf dem Platz, über den die Bässe hinwegfegen. Ich fühle mich wie in Zeitlupe. Um uns herum kreischen die Menschen, gehen zu den Ständen oder trinken fröhlich, während sie die immer gleichen Sätzen, des Songs, laut mit schreien. So auch meine Freundin. Meine großen Augen wandern zu ihr hinüber. Sie wippt mit dem Kopf. Das breite Lächeln, dass sich zwischen dem Gegröle auf ihrem Gesicht abbildet, verrät mir, wie sehr es ihr hier gefällt. Ich wahre äußerlich die Fassung, seufze allerdings innerlich bezüglich ihrer Festival Liebe.

Wieso habe ich mich darauf nur eingelassen? 

Meine Augen gleiten über Miri´s perfektes Aussehen in dieser Hotpants und ihren langen, glatten blonden Haaren mit denen sie hier perfekt hinpasst. Neben ihr sehe ich lächerlich aus. Ich beiße mir auf die Lippe und sehe an mir herunter. Das lange Kleid, das an das Ende der 60er erinnert, habe ich von Mum. Sie hat bei unserem Vorhaben gelacht und meinte, dass ich keinesfalls mit meinem Spießer Klamotten da hin kann. Wenn ich es nicht besser wüsste, würde ich sagen sie ist Miriams Mutter.

„Sollen wir nicht erstmal was trinken zum locker werden?“, höre ich meine beste Freundin über die Bässe hinweg schreien. 

Ich nicke. Wieso nicht? Schließlich bin ich doch nur mitgekommen, um mich abzulenken.

Sie packt meine Hand, zieht mich etwas unsanft durch die Menge, indessen mir ein erschrockenes Quietschen entfährt. 

Erst an dem kleinen Holzhäuschen kommt sie zum stehen. Cocktails steht mit großen, leuchtenden, glitzernden Buchstaben darüber. „Was willst du?“, schreit mich Miriam an und ihre großen grünen Augen sind dabei weit aufgerissen. 

Ich erspare mir die Frage, was es gibt, schließlich steht die Spezialität der Karte auf dem Gebälk. 

„Bring mir was Starkes!“, sage ich stattdessen und unterdrücke das: „Sonst halte ich das hier nicht aus…“ 

Meine Freundin nickt zufrieden, dreht sich um und tänzelt zwischen die Menschen an den Tresen. Schon vor wenigen Monaten habe ich festgestellt, dass ich bei Weitem nicht mehr so Cool bin wie  am Anfang des College. Während ich nämlich mit meiner einst großen, wahre Liebe Oliver auf dem Zimmer von Netflix, Chill und Fast Food lebte und unsere Höhepunkt aus gemeinsamen Sex bestand, war meine Freundin damit beschäftigt das halbe College flach zu legen. 

Ok, vielleicht ist es nicht so schlimm, wie ich es nun darstelle. Ich bin froh, dass sie das Leben genießt und mich nun wieder zurückführen kann.

Ich sollte glücklich über dieses Festival sein, schließlich gehe ich so Oliver und seiner Neue aus dem Weg. In letzter Zeit scheinen sie auf dem Campus überall da zu sein, wo ich auch bin. 

„Hier“, kommt meine Freundin zurück und streckt mir einen Plastikbecher entgegen. Die Flüssigkeit darin ist rot, glitzert und scheint irgendwie zu leuchten. Ich zucke mit den Schultern: „Danke.“ Ein Grinsen bildet sich auf meinem Gesicht. Das hier ist unser Wochenende. Ein Wochenende ohne Typen. Ohne Liebeskummer und vor allem ohne Oliver. 

„Auf uns“, kreischt meine Freundin und hebt den Becher, bevor wir gemeinsam einen großen Schluck davon nehmen. 

Schlammschlachten, wahre, neue Freunde und die Liebe?

Wir lassen uns von den Bässen tragen. Nach dem siebten Cocktail fühle ich mich richtig befreit. Die Menge um uns tobt, die Sonne wirft rosa Schatten auf den Platz und die Lichter, der Bühne, flackern im Takt der Musik. Ich kann mir gerade nichts Schöneres vorstellen und frage mich wirklich, wieso ich in den letzten zwei Jahren nur in einem Zimmer eingesperrt war. 

„Ich geh kurz aufs Klo“, nuschle ich meiner Freundin entgegen. 

Sie nickt zum Verständnis, scheint aber trotzdem total in ihrer Welt zu sein. Mit den Hüften wippend, gleite ich durch die Menge. 

Obwohl ich mich nicht an Regen erinnere, ist er Boden ziemlich Matschig. Bei jedem Schritt bleibe ich mit den Boots im Schlamm stecken. Es fühlt sich fast wie ein gewonnener Kampf an, als ich endlich vor den Toiletten zum Stehen komme. 

Ich atme durch. Der kühle Wind, der die Nacht über das Feld trägt, weht durch mein Haar. Ich fühle das getrocknete Glitzer auf meinem Gesicht, schließe die Augen und genieße, dass in diesem Moment alles von mir abfällt. 

Der Groll der letzten Wochen, die Gefühle, welche mich im zu ersticken drohten, das College, mich gerade zum Ende hin immer mehr überfordert, weil ich einfach nicht in diese Leben hinaus will. Schließlich weiß ich doch noch gar nicht was ich damit anfangen soll. Während ich in den letzten Wochen immer meine Fassung zu wahre, zwischen dem Verlust der Liebe und dem nerven College.

In diesem Moment stoßt mich etwas hart an der Schulter. Durch den Alkohol finde ich mein Gleichgewicht nicht. 

„Ah“, stoße ich aus, bevor ich in den Schlamm eintauche. Meine Reflexe sind so schlecht, dass ich es nicht einmal mehr schaffe, meine Hände abzustützen. „Scheiße“, fluche ich und hebe mein Gesicht aus dem Matsch.

„Oh Gott, es tut mir…oh, sorry“, eine feste Männerstimme dringt an mein Ohr. 

Ich blinzle. „Der Typ hat mich gestoßen und…“, er reicht mir ein Taschentuch und hält es mir entgegen. 

Wütend greife ich danach. Verdammt, haben es diesen Sommer alle Männer auf mich abgesehen? 

Ich versuche mich aufzusetzen, während meine andere Hand schnell den Schlamm vom Gesicht schrubbt. 

„Geht es dir gut?“, ich merke die Hand, welche sich auf meinen Oberschenkel legt. Augenblicklich vibriere ich unter dem Händedruck, der sich durch den dünnen meines Kleides schlängelt. 

Meine Augen sehen auf. 

Himmel. Große blaue Augen starren mich fürsorglich an.

„Es tut mir wirklich leid…“, murmelt er, indessen er mir eine Hand reicht und mich nach oben zieht. Noch immer gebannt von diesen unglaublich hellen Augen, räuspere ich mich. 

Reiß dich zusammen, Rosie. 

„Alles in Ordnung…“, versuche ich die Anziehung zu ignorieren. 

Er nickt. Seine Augen wandern über mein Gesicht. Als würde er sich jedes einzelne Merkmal darin einprägen. Seine Hand gleitet zu meinem Haar. Mit großen Augen folge ich seiner Bewegung. Noch nie in meinem Leben hat mein Herz eine solche Höchstleistung erbracht. 

Ich schlucke. 

„Du hast hier noch etwas Schlamm…“, räuspert er sich und wischt mit dem Daumen über die schmutzige Stelle. 

Ich nicke und finde damit endlich zurück in meinen Körper. Etwas beschämt schaue ich zu Boden: „Danke, em..ich wollte zur Toilette.“ 

Wirklich, Rosie? Zur Toilette? Hast du flirten verlernt? 

Sein Lachen ist dunkel. Scheiße, ich schmelze dahin. 

Wahre einfach die Beherrschung, meine Liebe!

„Dann will ich dich nicht länger aufhalten…“, seine Augen sind fragend. Offensichtlich möchte er meinen Namen wissen. Ich lächle nervös: „Ich bin Rosie“, damit halte ich ihm meine schmutzige Hand entgegen. „Rayn“, erwidert er meine Hand. Etwas zu lange verharren wir in dieser Position.

„Man, Rosie da bist du ja“, ertappt fahre ich herum. Meine beste Freundin versucht gerade zu stehen, indessen sie mich fixiert. 

„Eh, ja…“, sage ich sofort: „Ich wollte mich gerade wieder anstellen und…“ 

Sie ignoriert meine Worte und sieht an mir vorbei zu Rayn: „Klar wolltest du.“ Auch ohne, dass  sie zwinkert, weiß ich was sie sagen will. 

Ich drehe mich nochmals um zu Rayn und nicke: „Na dann also…“

Er nickt und lacht: „Ich würde mich natürlich verabschieden, aber du siehst aus als könntest du Hilfe gebrauchen und da ich jetzt sowieso meine Hände waschen muss…“, Rayn zeigt auf seine rechte Hand, die ich durch unseren Händedruck verunreinigt habe. 

„Hilfe?“, meine Freundin zieht eine Augenbraue nach oben. Natürlich springt Miriam darauf an. Sie hofft auf eine Privatparty ganz klar. 

„Ach weißt du, ist schon ok“, murmle ich stattdessen und greife nach meiner Freundin.

Rayn lächelt: „Rosie, ich habe eine der Hütten gemietet. Wir können mit dem Festivalwagen nach oben fahren und du kannst dich kurz frisch machen. Danach seid ihr wieder entlassen.“ 

Trotz des Alkohols scheine ich auf einmal wieder ziemlich klar zu sein. Auf keinen Fall gehen wir mit einem fremden Typen in seine Hütte! Auch nicht wenn er so aussieht. 

„Danke, aber Nein…“, wende ich  mich ab und möchte meine Freundin zurück in die Menge ziehen. Ich werde später auf die Toiletten gehen. Dann wenn keine Gefahr mehr besteht, dass ich ihm über den Weg laufe. 

„Rosie er hat Recht. Du kannst unmöglich so zurück in die Menge!“, protestiert Miriam und zeigt auf mein Outfit. Der Alkohol scheint sie völlig in seinen Fangen zu haben oder ist sie immer so unüberlegt? In den letzen Jahren war ich zu selten mit ihr ausgegangen, um dies beurteilen zu können. „Wann kommt der nächste Festivalwagen?“, fragt meine beste Freundin. Sie schwingt herum zu Rayn, der uns amüsiert anlächelt. Natürlich gefällt ihm das. Ich will nicht wissen, was in seinem kranken Hirn vorgeht. Vielleicht ist es seine Masche, Mädchen in den Schlamm zu stoßen und ihnen dann anzubieten mit ihm gemeinsam auf seine Hütte zu kommen. 

„Hey Rayn, wir gehen kurz nach oben. Wir wollen das Eröffnungsfeuerwerk vom Hügel beobachten“, höre ich eine piepsige Frauenstimme hinter mir. Sofort zerstört sie meine ängstlichen Gedanken.

Meine Augen wenden sich zu ihr um. Ein leichtes Grinsen breitet sich auf ihrem Gesicht aus und als sie versteht, kommt sie etwas näher: „Oh Gott, was ist denn mit dir passiert?“ 

Sie spricht mich direkt an. Die dunklen Augen wandern über mein verdrecktes Outfit, dann hinüber zu Rayn, dessen Hände ihn eindeutig verraten: „Sag nicht, dass du sie geschubst hast, Rayn!“ Empörung spiegelt sich in ihrem Gesicht wieder. Sie stemmt ihre Händen in die Hüften und schüttelt den Kopf: „Ich bin Kitty, Rayns Schwester“, stellt sie sich vor und verdreht die Augen: „Er ist manchmal ziemlich schusslig.“ 

Rayn hebt beschwichtigend die Hände: „Ich habe den Beiden gerade gesagt, dass sie mit nach oben kommen können. Vielleicht kannst du Rosie etwas zum Anziehen leihen?“

Meine Gedanken drehen sich im Kreis. Als würde sich die Situation überschlagen und eine Eigendynamik bekommen, nicke ich. Wieso tue ich das? 

„Dann lasst uns doch nach oben fahren…“, klatscht Kitty freudig in die Hände und geht voraus. 

Ist das der Zauber des Festivals?

Um ehrlich zu sein wusste ich nicht, dass man Festivals auch in Prestige Form feiern kann. Doch nun hier vor dieser Hütte zu stehen, lässt mich staunen. Die beiden Geschwister mieten wirklich ein kleines Häuschen mit Aussichtsplattform und Whirlpool. „Trautes Heim, Glück allein, Tretet ein“, grinst Kitty und stoßt die große graue Tür auf. 

Ich reiße meine Augen auf. 

„Wow“, haucht meine beste Freundin die Worte, welche mir im Halse stecken bleiben. 

Das kleine Häuschen besteht aus einer riesigen Glasfront, von welcher aus man in die Menge des Festivals sehen kann. Die große Bühne, das Riesenrad dahinter und die Berge von Nevada bilden eine unglaubliche Kulisse. Ich kann gerade selbst nicht fassen, dass dieser blöde Zusammenstoß, mich zu dieser unfassbaren Aussicht gebracht hat. 

„Komm mit Rosie, ich gebe dir etwas zum anziehen und zeige dir die Dusche“, schnappt Kitty nach meiner Hand und führt mich durch das Wohnzimmer, an der gemütlichen, offenen Küche vorbei, eine enge Treppe nach oben. 

„Ich wusste nicht, dass man auf einem Festival so luxuriös wohnen kann…“, bekomme ich die Worte heraus, indessen wir durch den schmalen Gang gehen. Kittys Lächeln ist aufrichtig: „Wir feiern Rayns Erfolge des letzten Jahres.“ 

„Und deshalb mietet ihr euch in dieses Haus?“, platzt es aus mir heraus, da ich nicht glauben kann, dass die Beiden so viel Geld für ein paar Nächte ausgeben. 

Die Tür zum Schlafzimmer schwingt auf und ich werde erschlagen von den bodentiefen Fenstern. Wow. „Das ist Rayns Zimmer, aber ich habe meinen Koffer vorhin hier drinnen  abgestellt, da mein Freund Peter und ich auf der Fahrt etwas aneinander geraten sind.“ 

Ich nicke. Sie beugt sich über den rosa Koffer und öffnet ihn: „Hotpants?“ 

„Okay“, murmle ich und gehe zu dem großen Fenster, um auf die halbdunkle Tanzfläche zu sehen. Von hier oben sieht es noch berauschender aus, als in der Menge selbst. 

„Ist wahrscheinlich besser, wenn du hier duschst“, reicht mir Kitty die Hotpan und ein bauchfreies Top.

Ich schlucke. Das entspricht nicht gerade meinem Kleidungsstil, allerdings ist wahrscheinlich alles besser als das verschmutze Kleid. Dankbar nehme ich es entgegen.

„Hier drüben ist Rayns Badezimmer. Er hat ganz sicher nichts dagegen. Duschzeug steht drin, da ich vorhin selbst erst drin war“, ihr Grinsen steckt wirklich an, weshalb ich Lächelnd nicke.

Gerade möchte ich in Richtung des Bads gehen, als ich höre, dass sie noch etwas sagt. Ich halte inne und sehe sie an. 

Sie sieht fragend zu mir herüber: „Ob ihr auch hier übernachtet?“ 

Am liebsten würde ich ihr von unserem knappen Budget erzählen. Davon, dass meine Mutter schon etwas für die Tageskarte drauflegen musste, aber ich lasse es. 

„Nein. Ich habe am Montag ein wichtiges Vorstellungsgespräch in einem Verlag und brauche diese Stelle, weshalb ich keineswegs verkartet dort auftreten darf“, spiele ich die Traurigkeit über den voranschreitenden Abend herunter. Es ist Quatsch, dass ich mich auf das Vorstellungsgespräch vorbereiten muss. Seit drei Monaten tue ich schließlich nichts anderes. Seit Oliver nicht mehr Teil meines Lebens ist, habe ich viel Zeit für andere Dinge. 

Kitty nickt, winkt aber gleichzeitig ab: „Ihr könnt auch gerne hier schlafen. Wir haben noch ein freies Zimmer und nach diesem Vorfall…“, sie zeigt etwas belustigt an mir herab: „…ist Rayn euch das praktisch schuldig.“ 

Mit diesem spielerischen Pferdeschwanz, den goldenen Ketten und dem Glitzer in ihrem Haar, wirkt sie kindlich. Doch mit diesem markanten Gesicht, ihren schönen Augen und diesen Wangenknochen könnte sie locker als Model durchgehen. Gepaart mit dieser lockeren, liebevollen Art ist sie fast zu Perfekt um wahr zu sein. 

„Das ist wirklich ein liebes Angebot, allerdings möchte ich diese Chance wirklich nicht verpassen“, spiele ich wieder herunter, dass ich nur zu gerne auf dem Festival bleiben möchte. Aber wie sollte ich die Karte für morgen bezahlen? 

„Jetzt mal ehrlich Rosie. Wir haben diese Hütte mit 4 Zimmern und Eintrittskarten pauschal bezahlt. Ihr würdet uns praktisch einen Gefallen tun“, versuchte sie mich weiter zu überzeugen:„Zumal ich hier zwischen meinem Freund, meinem Bruder und dessen besten Freund ziemlich allein gelassen bin. Ich brauche dingend etwas mehr Östrogen-Verstärkung!“ 

Damit bringt sie mich zum Lachen. Ich beiße auf meine Lippen. Mein Kopf ist mittlerweile wieder so klar, dass ich das pro und contra versuche abzuwiegen. 

Kitty bemerkt mein Zögern: „Und was dein Vorstellungsgespräch betrifft, bin ich mir sicher, dass wir dir da auch irgendwie helfen können.“ 

Während das Pro in meinem Kopf deutlich überwiegt, werde ich bei dem Worten Vorstellungsgespräch und helfen hellhörig. 

Offensichtlich sieht Kitty das sie mich an der Angel hat und grinst wissend: „Mein Dad hat einen Verlag in San Francisco. Falls du Interesse hast, kann ich gerne einmal nachfragen und wenn nicht…“ 

Ich nicke heftig: „Das würdest du einfach so tuen?“ 

Kitty lacht: „Er arbeitet seit Jahren im Literaturbereich. Natürlich kann ich ein gutes Wort einlegen. Vor allem sehen wir dich doch lieber in unserem Unternehmen, anstatt eine solch qualifizierte, interessante Person an einen Mitbewerber zu verlieren.“ Sie zwinkert mir zu und verlässt lächelnd das Schlafzimmer. 

Wieso habe ich mich die letzten Jahre nochmal vor allem verschlossen und mich für Oliver aufgegeben?

Sie sitzen vor dem offenen Fenster, haben einen Champagner auf dem Tisch stehen und spielen irgendein Spiel, als ich meinen Kopf in das Wohnzimmer stecke. 

„Vergiss es, das ist nicht fair!“, schreit Kitty, die halb auf der Terrasse steht und deren Hände wild gestikulieren. „Klar ist es das!“, kreischt ein anderer Typ mit gebräuntem Teint in den Raum. 

„Ich finde auch nicht, dass es gerecht ist, wenn…“, möchte der Kerl neben Rayn gerade das Wort ergreifen, als Miriam auffällt, dass ich im Türrahmen stehe. 

„Da bist du ja endlich. Hast du alles abbekommen?“, springt sie von der Couch um und sogar dafür, dass alle Augenpaare auf mir landen.

Ich hüstle etwas verlegen und nicke. 

„Wir spielen gerade Scharade bis das Feuerwerk losgeht und die Jungs…“, möchte mich meine Freundin auf den neusten Stand bringen, doch Rayn kommt ihr dazwischen: „Wir haben nichts getan!“

Ich kann ein Kicherer nicht unterdrücken, indessen ich sehe wie Kitty und Miriam die Augen verdrehen. Langsam gehe ich auf die Gruppe zu und lasse mich dann auf dem freien Platz neben Rayn nieder. Er nippt an seinem Glas. Vielleicht bilde ich es mir ein, doch seine Augen gleiten währenddessen über meinen Körper. Ich beiße in meine Unterlippe. Ist es hier drin nicht unendlich warm? 

Er räuspert sich, stellt das Glas zurück und sieht zu dem Typ neben ihm: „Also Rosie, das ist Chris“, ich nicke dem rothaarigen Jungen freundlich zu, dann zeigt Rayn auf den dunkelhäutigen großen Mann: „Das ist Peter, der Freund meiner Schwester.“ 

„Hey“, begrüße ich kurz die Runde und wende mich dann an beide Geschwister. Mein Blick Wanderer zwischen ihnen hin und her: „Vielen Dank, dass ich duschen durfte und danke Kitty für das Outfit.“ 

Kitty winkt nur ab und zeigt nach draußen: „Du bist gerade pünktlich! Ich denke in 10 Minuten geht das Feuerwerk los.“ Sie kommt zurück zur Couch und lässt sich zu ihrem Freund fallen. 

Sofort fühle ich mich unangenehm: „Ich wollte euer Spiel nicht unterbrechen…“, platzt es aus mir heraus. 

Meine beste Freundin lacht auf: „Hast du nicht. Es macht sowieso kein Spaß, wenn Peter und Chris ständig anzweifeln, was wir darstellen.“ 

„Wir werden eine Revanche haben wollen an diesem Wochenende“, fordert Chris sie heraus. Ihre Augen gleiten ineinander. Für einen Moment scheinen sie eine stille Diskussion zu führen. 

„An diesem Wochenende?“, unterbreche ich ihren verheissungsvollen Blicke. 

„Ich habe Miri natürlich auch angeboten, dass ihr dieses Wochenende bleiben könnt und anders als du hat sie sofort eingewilligt!“, stoßt Kitty meine beste Freundin am Bein. 

Mein Lachen ist nervös. Also bleiben wir die ganze Zeit zusammen in dieser Hütte? 

Unbewusst wandert mein Blick zu Rayn, dessen Anwesenheit ich die ganze Zeit viel zu intensiv spüren kann:  „Das ist doch kein Problem oder Rosie?“ 

Seine Worte lassen mich schlucken: „Natürlich nicht.“ 

Darauf heben wir die Gläser, indessen das Feuerwerk einsetzt. Das ist wirklich der Höhepunkt des Wochenendes.

Fassung wahren oder Durchdrehen? Lieben oder Hassen?

Es dauert nicht lange bis meine beste Freundin und Chris im Whirlpool landen. Nach dem vierten Shot, einigen Sektgläsern und dem berauschenden Gefühl der Musik, kann ich ihre Gelassenheit verstehen. Trotzdem fühle ich mich unbehaglich als ich mit Kitty, ihrem Freund und Rayn alleine im Wohnzimmer zurück bleibe. Wir tanzen und natürlich reibt sich Kitty laszive, sodass ich nur noch nervöser werde. Die Menge, die Anonymität hat mir etwas besser gefallen. 

„Ist alles in Ordnung?“, fragt Rayn laut über die Musik hinweg. Ich hätte niemals erwartet, dass die Wellen des Basses bis nach hier oben getragen werden. Noch dazu kommen die Lautsprecher im ganzen Haus, welche die Tone von draußen unterstützen. 

Ich nicke den großen blauen Augen entgegen und widme mich wieder meinem Glas. Vielleicht sollte ich einfach meine Freundin aus dem Whirlpool zerren und sie zwingen mit mir gemeinsam zu tanzen. 

„Ich glaube ich gehe kurz nach draußen“, murmle ich zu Rayn und schwanke zur Terrassentür hinaus, in der Hoffnung meine Freundin dem heißen Wasser zu finden. Der Wind weht durch mein dunkles, kurzes Haar und für einen Moment bin ich völlig paralysiert von dem Ausblick. Bei Nacht sieht es fast noch märchenhafter aus als mit dem Sonnenuntergang…

Stopp, ich bin wegen meiner Freundin hier. Meine Augen gleiten über die Terrasse, in das hintere Eck, in dem der beleuchtete Whirlpool steht. Ich trete näher an das brodelnde Bad heran, doch es ändert nichts. Er ist leer. 

„Die Beiden sind vorhin nach oben gegangen.“ 

Erschrocken fahre ich herum. Eine Hand habe ich an mein Herz gelegt: „Was?!“, kreische ich:  „Oh Gott, willst du mich umbringen?“ 

Trotz des Schrecks fällt mir auf wie königlich er in diesem Licht wirkt. Der Wind streicht durch sein blondes Haar. Die anderen Häuser liegen in seinem Hintergrund, verschwimmen und spiegeln lediglich die Lichter des Festivals. 

Sein Lachen ist tief und trifft jeden Nerv in meinem Körper. Gott, ist das der Alkohol oder wieso fühle ich mich so zu diesem Mann hingezogen? 

Er rückt etwas näher an mich heran. Seine blauen Augen glitzern in den Lichtern. Aus dem Haus höre ich Peter und Kitty, die miteinander lachen und die Musik genießen. 

„Tut mir leid. Ich dachte nur du suchst deine Freundin“, sieht er kurz zu dem Whirlpool, dann gleiten seine Augen wieder zurück in meine. 

Ich schlucke. Wieso kommt er immer näher? Schnell nippe ich an meinem Glas und nicke. 

„Sieht so aus als wären wir den Rest des Abends alleine“, lacht er auf und trinkt einen großen Schluck von seinem Bier. 

Oh mein Gott! Ich kann nicht flirten. Ich habe verlernt wie es ist mit einem Typen, der nicht mir gehört, allein zu sein. Wieso tut meine beste Freundin mir das an? 

„Jetzt schau nicht so leidlich. Ich bin kein Serienmörder, schaue gerne Netflix und stehe durchaus auf Fas Food“, seine sarkastische Stimme entlockt mir dann doch ein Lächeln. 

Ich schüttle den Kopf. Der Alkohol sollte doch dafür sorgen, dass ich mich lockerer fühle. Wieso scheint dann alles so schwer? 

„Es ist nicht, also…verstehe mich nicht Falsch“, ich beiße auf meine Lippe. Seine Augen gleiten über mein Gesicht, dann schauen sie hinunter zum Festival:  „Verstehe ich nicht. Alles gut. Man muss sich ja nicht gleich jedem Fremden an den Hals werfen…“ 

Ich nicke, halte daraufhin aber inne und sehe ihn an. Offensichtlich fällt ihm mein verwirrter Blick auf:  „Du hast doch sicher gemerkt, dass ich gerne mit dir getanzt hätte…“ Er zeigt in die Hütte und meine Augen folgen seinen Fingern. Das ruhige Lied, welches gerade zeitlich gespielt wird, bringt Peter und Kitty dazu sich in den Armen zu wiegen. „Ich bin keiner der Mädels auf den Festivals flachlegt, keine Angst. Ich bin an diesem Wochenende eigentlich auch nur mit um etwas Abstand zu bekommen“, mein Gesichtsausdruck scheint noch immer misstrauisch, weshalb er diese Worte schnell nachschiebt. Sie machen mich hellhörig, weshalb ich ihn ansehe. 

Er zuckt mit den Schultern: „Jetzt schaue mich nicht so an. Meine Freundin…“, er schüttelt sich und nippt ironisch grinsend an dem Bier: „Ich korrigiere meine Ex-Freundin hat mich erst vor ein paar Monaten verlassen.“ 

Nun wirkt er nachdenklich.  

Ich nicke und trinke von meinem Drink. Vielleicht sollte ich dieser Situation doch eine Chance geben. 

Ich folge Rayns Blick. Wir stehen nebeneinander, starren hinunter auf das Festival, lauschen der Musik und scheinen jeder in seiner eigenen Welt, bis ich mich öffne: „Mein Freund hat mich vor ein paar Monaten betrogen…“ Meine Stimme klingt fremd. Vielleicht weil ich seither nicht darüber gesprochen habe. Seit ich an jenem Vormittag ins Zimmer geplatzt bin, habe ich keinem davon erzählt. Ich lache sarkastisch und nehme erneut einen Schluck: „Wir waren zwei Jahre zusammen.“ 

Ich spüre Rayns Augen auf mir. Für einen Moment glaube ich, dass es zu viel ist, was ich einem Fremd erzähle. Aber scheiß drauf! Nach diesem Wochenende werde ich ihn nicht mehr wiedersehen und wenn ich mir schon keine Therapie leisten kann, wird er sich meine Geschichte nun anhören müssen. 

„Kannst du dir vorstellen, dass er der Erste war? Das ich diesem Typen wahrscheinlich alles erdenkliche auf dieser Welt gegeben hätte…“, meine Stimme wird lauter: „Scheiße! Ich habe meine Freunde vernachlässigt, meine Familie und letztlich auch mich selbst…Und das Schlimmste dabei ist, dass er mich am Ende nicht einmal mehr geliebt hat. Er sagte, ich sei nicht mehr die Person, die er vor ein paar Jahren kennengelernt hat.“ Meine Hände zittern, meine Augen brennen und die Wut durchflutet meinen Körper: „Scheiße ja, ich war schon lange nicht mehr die Rosie, die er kennengelernt hat. Verdammt, ich habe mich für ihn so verändert. Wieso habe ich ihn so geliebt, dass ich mich für ihn geändert habe!“ 

Der innere Dialog, welchen ich mit mir in den letzten Monaten des öfteren gehalten habe, bricht aus mir heraus. Ich kann die Fassung nicht mehr wahren, den Verlust über meine Liebe nicht länger verdrängen und es platzt einfach aus mir heraus.

Ich spüre Rayns Hand auf meinem Rücken. 

Meine verweinten Augen sehen zu ihm auf. Er beabsichtigt nicht zu flüchten: „Es tut mir leid.“ 

Das ist das Einzige, dass er sagt und trotzdem möchte ich ihn gerade umarmen.  

Meine Gefühle scheinen Achterbahn zu fahren. Ich werfe mich einem völlig fremden an den Hals. Was ist nur los mit mir? 

Rayns Arme schlingen sich um meinen Körper. Er wiegt mich, hält meinen Kopf mit der einen Hand an seine Brust und für einen Moment vergesse ich, dass wir uns gerade erst kennengelernt haben. Im Gegenteil, ich fühle mich Zuhause.

„Da bist du ja Rosie…“, die Stimme meiner besten Freundin dringt an mein Ohr und zerstört dieses schöne Gefühl von Geborgenheit: „Oh, ich wollte…“ 

Meine Augen gleiten zu mir. Sie sieht etwas mitgenommen aus. Als hätten sie und Christ mehr getan als nur miteinander zu reden. Aber das ist mir jetzt egal. Ich löse mich von Rayn und sehe beschämt zu Boden: „Ich habe dich gesucht.“

Miriam sieht meine Tränen und nickt: „Tut mir leid, aber du warst ja in guter Gesellschaft.“ 

Ihr Gesicht wirkt ehrlich, indessen sie auf mich zu schreitet und die Arme ausbreitet: „Wir wollten nochmal kurz auf den Platz. Jetzt ist etwas weniger los und man kann besser tanzen.“ Animiert sie mich an ihrer Brust gedrückt.

Chris steht hinter ihr. Auch er hat diese typische After-Sex-Ausstrahlung. Zum Glück haben wir für sie gestern noch Kondome besorgt.

Ich muss Lachen und schüttle den Kopf: „Lasst uns Feiern gehen!“, schreie ich entgegen meiner Erwartungen an mich selbst. 

Jubelnd stimmt der Rest mit ein. 

Kein Schlafplatz, oder doch?

Wir haben halb Fünf in der früh als wir in das Wohnzimmer torkeln: „Verdammt, ich habe so einen Hunger“, jammert Kitty und stürzt sich direkt hinter den Tresen der Küche. 

Ich lasse mich auf die Couch fallen. Meine Füße schmerzen vom Tanzen, mein Kopf dröhnt von den nachhallenden Bässen, doch ich weiß nicht, wann ich in den letzten Jahren so glücklich gewesen bin. 

Rayn lässt sich neben mich fallen. Seit dem gestrigen Vorfall auf der Terrasse haben wir nicht mehr miteinander geredet. 

Wie auch? Die Musik war unheimlich laut, die Bässe haben uns in eine Art Rausch getragen und auch sonst war ich einfach froh, dass ich die Trauer endlich herausgeschrieen habe. 

„Möchte noch jemand Eier?“, fragt Kitty, während sie laut in der Küche hantiert. 

„Du kannst gerne meine haben“, zwinkert Peter in die Runde. 

Ich kann mir ein Lachen nicht verkneifen. 

„Nein wir gehen nach oben“, unterbricht meine Miriam, die ihre Hand in die von Chris gelegt hat. Sie stehen nebeneinander und es scheint wirklich gefunkt zu haben. Wahrscheinlich nur für dieses Wochenende, doch ich gönne ihr diese kleine Liebe. 

„Dann wünsche ich euch viel Spaß“, sagen Peter und Kitty fast gleichzeitig. Sie stehen nun gemeinsam hinter dem Tresen und beginnen mit der Zubereitung des Frühstücks. 

Ich räuspere mich: „Ich glaube, ich gehe auch nach oben.“ 

Mit einem Ruck erhebe ich mich von der weichen Couch, welche mich schon zu sehr in ihren Zwängen hat und nicke in die Runde. Rayn sieht mich einen Moment zu lange an, dann nickt er aber zurück: „Gute Nacht, Rosie.“ 

Die Art wie er meinen Namen ausspricht, bringt meinen ganzen Körper in Vibration. 

Hastig drehe ich mich um und gleite nach oben. Auf dem Weg in die obere Etage fällt mir ein, dass sie uns keine Zimmer zugewiesen haben. Allerdings weiß ich, in welchen Rayn untergebracht ist. Also kann ich diesen Raum schon mal ausschließen. Langsam gehe ich durch den langen Flur. 

Aus der ersten Tür höre ich verdächtige Geräusche, weshalb ich mit einem leichten Lächeln davon abwende. Es hört sich an, als hätte sie tatsächlich den kleinen Taschen-Vibrator eingepackt. Ich schüttle den Kopf und nähere mich zögernd der nächsten Tür. 

„Nein, die ist es nicht.“ 

Ich fahre herum: „Sag mal, was hast du für ein Problem Rayn?“ 

Durch den Schreck bin ich wütend. 

„Es tut mir leid. Ich dachte du hast mich gehört“, murmelt er und kommt näher. Während ich mich hundeelend fühle und wahrscheinlich auch so aussehe, könnte er glatt als Model der neue GQ Ausgabe fotografiert werden. „Dieses Zimmer ist das von Chris…“, als würde ihm selbst klar werden, was für eine blöde Bredouille sich damit für mich auftut, nickt er wissend: „Shit. Das ist ganz schön mies.“ 

Seufzend lehne ich mich gegen das Geländer. Das Leben will mir in den letzten Monaten doch irgendetwas beweisen. Das die Beiden ausgerechnet in unserem vorgesehenen Zimmer gelandet sind, obwohl Chris sein eigenes hat, sollte entweder ein Wink mit dem Zaunpfahl sein oder es war einfach unüberlegter Leichtsinn: „Kann ich nicht einfach darin schlafen? Ich meine ihr seid doch gestern erst angereist und…“
Rayn lacht und schüttelt den Kopf: „Sei dir sicher du willst da drin nicht schlafen. Hast du etwa vergessen, dass sie gestern Abend auch schon hier oben waren?“ 

Ich schnaube: „Müssen die sich durch das ganze Haus…“ Das letze Wort verschlucke ich. 

Rayn fährt sich verlegen durchs Haar: „Ich kann auch gerne auf die Couch gehen und du schläfst einfach in meinem Zimmer.“ Mit einem Ernst in der Stimme wie ich ihn nicht erwartet hatte, sieht er mich an. 

Ich lege die Stirn in Falten. Auch wenn das wirklich ein unglaublich nettes Angebot ist. Ich kann und werde es nicht annehmen, schließlich hat er die Hütte für dieses Wochenende bezahlt. Die nächsten Stunde werde ich einfach auf der Couch verbringen, danach das Bett in einem der Zimmer überziehen und mich dort dann nochmal hinlegen bis es heute Nachmittag wieder los geht. 

„Das ist wirklich lieb, aber ich gehe auf die Couch. Eigentlich bin ich auch noch gar nicht so müde…“, versuche ich die ganze Situation etwas herunterzuspielen.

Rayn tritt näher an mich heran. Mein Herz macht angesichts seiner Nähe einen Sprung. 

Trotz der durchzechten Nacht rieche ich noch sein himmlisches Parfüm. 

Wieso bin ich ihm gestern Abend nicht verfallen? Achja, der Mental Breakdown auf dem Balkon hat uns vor Mehr bewahrt. 

„Ich könnte es nicht ertragen, wenn du auf der Couch schlafen musst“, raunt er an mein Gesicht. Mit einem Mal schlägt mein Herz schneller. „Schließlich bin ich ein Gentleman“, das Lächeln, welches sich auf seinem Gesicht ausbreitet ist ein herzliches und mit einem Mal verstehe ich, dass er mich tatsächlich nicht anbaggert. 

Wieso sollte er auch? Ich stinke sicherlich wie ein Bierfass, sehe aus wie ein Zombie und auf diesem Festival gibt es weit mehr schöne Frauen, die er wahrscheinlich tausend Mal lieber mit nachhause genommen hätte und nun hat er mich an der Backe.  

Ich beiße mir auf die Lippe und trete ein Stück neben ihn, um gleich darauf den Gang entlang, zurück zur Treppe zu gehen: „Mach dir keine Gedanken. Gentlemans habe ich in den letzten Jahren kaum kennengelernt.“ Er grinst, weil er wahrscheinlich weiß, dass ich auf meinen Exfreund anspiele. Damit gehe ich die Treppen nach unten. Mein Herz hat noch immer keinen normalen Takt gefunden, indessen ich den schmalen Flur zum Wohnzimmer gehe. 

Es ist wirklich seltsam. Ausgerechnet ein Typ den ich kaum kenne, bringt mich so zum Beben. Noch dazu bin ich mit ihm eingesperrt in dieses kleine Häuschen für den Rest dieses Wochenendes. Kein großartiges Entkommen, da zwei Pärchen unsere Zufluchtswege blockieren… Apropos. Ich erstarre und drehe mich sofort um. 

Meine Augen sind geschlossen. Verdammt. Ich habe bis jetzt nur einmal jemanden in Flagrante erwischt. Meinen eigenen Freund. Deshalb schiebt sich das eben Gesehene in das damals erlebte. Augenblicklich ist mir schlecht. 

„Hey, doch noch nicht auf dem Sofa?“, Rayn kommt mir gerade entgegen. Er hält die leere Glaskaraffe nach oben und nickt zur Küche: „Wollte gerade noch etwas zu trinken holen und dir gute Nacht sagen…“ 

Ich schüttle heftig den Kopf und stemme meinen Körper gegen ihn: „Glaube mir du willst da jetzt nicht hin!“ Die Worte sprudeln geradezu aus mir heraus. 

Rayn lacht und nickt: „Doch nur um…“ Wieder hält er inne. Sein Gesicht wird blass:  „Oh Fuck, Nein oder? Ich habe ihr schon so oft gesagt, dass sie das nicht tuen soll…“ 

„Naja, aber sie tut es und ich bin mir sicher, dass du das als ihr Bruder nicht sehen solltest“, damit drehe ich ihn herum und schicke ihn wieder die Treppe hinauf. 

Rayn atmet angestaute Luft aus, schüttelt meine Arme von sich und sieht mich an: „Möchtest du dann nicht einfach zu mir nach oben kommen? Du hast sicher das große Bett gesehen. Also, aber ich kann auch gerne auf dem Boden…“

Der arme Kerl scheint völlig im Zwiespalt. Wahrscheinlich hätte mich seine Schwester nicht über das Wochenende einladen sollen. Er sieht nicht gerade Begeistert aus, dass Zimmer mit mir zu teilen. Natürlich nicht, schließlich hat er nach der Trennung von seiner Freundin sicher etwas Ruhe erwartet. Vielleicht eine Abschleppen, wenn das Jungs so sagen, und Spaß haben und mehr nicht. 

„Das wäre mir wirklich unangenehm…“, flüstere ich. 

Rayn sieht mich aus blauen Augen undurchdringlich an und greift nach meiner Hand. Sein Lächeln ist aufrichtig als er mit fester Stimme sagt: „Ich habe dich gestern in den Schlamm geworfen und dich zum Weinen gebracht. Es ist wohl das Mindeste dir einen Schlafplatz anzubieten!“ 

Bisher habe ich nur mit Oliver in einem Bett geschlafen. Noch nie habe ich überhaupt auch nur daran gedacht mit jemand anderem das Bett zu teilen. Nicht zuvor und erst recht nicht danach. 

Oliver war der Erste und sollte ein Leben lang der Einzige bleiben. Viellicht fühle ich mich deshalb auch so gehemmt, als Rayn mich in seine Gemächer führt. Es fühlt sich an als würde dies nun der Abschluss einer wirklich wundervollen Zeit sein. „Du siehst angespannt aus, Rosie. Ist alles in Ordnung?“, Rayn kramt in dem Koffer vor seinem Bett ein T-Shirt hervor und legt es auf das Bett. 

Ich versuche zu nicken. Ob ihm wohl aufgefallen ist wie schnell mein Herz pumpt? Meine Glieder zittern, ich fühle mich müde und unglaublich wach zugleich. Was ist nur los mit mir? 

Er registriert mein Nicken mit einem Schmunzeln und zieht gleich darauf eine Decke von dem großen Bett. 

Als mir klar wird, was er vor hat, schüttle ich den Kopf: „Du kannst unmöglich auf dem Boden schlafen!“ 

Er lacht und breitet die große Decke auf dem Teppich aus, nur um danach sein Kissen dazu zu werfen: „Es ist kein Problem, Rosie. Wirklich. Sind wir mal ehrlich, in dieser Hütte geht das Festival-Feeling fast verloren und so fühle ich mich den Leidenden da unten etwas näher.“ 

Rayns Hände gleiten zu dem großen Fenster, welches auf die vielen Zelte neben den Ständen zeigt. Hätte ich ein Zelt würde ich mich sofort dazu legen, nur um nicht hier in dieser unangenehmen Situation zu stecken. 

Ich kann kaum glauben, was ich da sage, doch sonst wird er ja nicht locker lassen: „Das Bett ist wirklich sehr groß und ich schlafe sowieso immer Rand…“

Mit einem Mal hält er inne. Seine Miene ist Ernst: „Wirklich? Es macht mir nichts aus auf dem Boden…“ 

„Nein“, bekomme ich mit fester Stimme heraus:  „Diese Hütte hast du gemietet. Ich würde mich nicht wohl damit fühlen und irgendwie ist es ja auch schön, schließlich habe ich in den letzen Wochen die Leere in meinem Bett bedauert.“ 

Ich kann nicht fassen wie ehrlich ich zu einem Fremden bin. 

Für einen Moment sieht er mich eindringlich an. Vielleicht erwartet er, dass ich ausflippe. Doch ich bleibe ruhig und lächle: „Ich meine, wenn es dich nicht stört.“ 

Seine Augen gleiten über meinen Körper. Mein Herz scheint einige Takte auszusetzen.
„Nein“, schüttelt er den Kopf und legt ein Lächeln auf: „Es stört mich ganz und gar nicht.“ 

Seine Stimme klingt nicht zweideutig, nicht verrucht oder gar obszön. Im Gegenteil, er wirkt dankbar für die Geste. 

Ich grinse nochmals und tapse dann mit nackten Füßen in das Badezimmer: „Ich ziehe mich nur eben um.“ 

Rayn nickt und räumt das Bettzeug wieder zurück. 

Als ich zurückkomme liegt er bereits in den Laken. Meine Augen gleiten zögernd über dieses Bild. Ich sehe, dass er kein Shirt mehr trägt. Hat er auch keine Hose an? 

Ich stehe hier scheiße nochmal kurz vor einem Herzinfarkt. Vor allem weil mir einfällt, dass auch ich nur dieses lange Shirt von ihm trage, dass gerade so meinen Hintern bedeckt. 

„Das Bett ist zwei Meter lang, Rosie. Ich komme dir nicht zu nahe“, lacht er. Wahrscheinlich hat er mein Misstrauen bemerkt. 

Ich nicke und ziehe an dem Oberteil herum bis ich unter der Bettwäsche verschwunden bin. 

„Es tut mir leid. Ich möchte dir nicht das Gefühl geben, dass du…also du…“, möchte ihm erklären, dass es keineswegs etwas mit ihm zu tun hat, doch er unterbricht mich. 

„Ich habe seit Stella, meiner Ex auch mit keiner anderen mehr in einem Bett geschlafen. Auch für mich ist das seltsam…“, seine Stimme klingt belegt und in seinen Augen sehe ich das Bedauern. 

Ich beiße auf meine Lippe und kuschle mich nun doch etwas mehr in das Laken: „Wieso hat sie sich von dir getrennt?“ 

Rayn fiept wie ein kleiner Welpe, was schnell zu einem Glucksen wird: „Meine Arbeit nimmt viel Zeit in Anspruch. Solche Wochenenden waren in den letzten Jahren sehr selten.“ 

Das er nicht mehr auf dem College ist, habe ich mir gedacht. Sein muskulöser Körper, diese Lachfalten und seine männliche Art haben ihn verraten. Er ist definitiv älter als ich. 

„Scheiße ich bin 32 und eigentlich dachte ich, dass ich in diesem Alter schon lange verheiratet bin“, lacht er. Sein Arm liegt unter seinem Kopf, während die andere auf seinem Bauch ruht. Er sieht zur Decke und scheint mehr mit sich selbst zu sprechen als mit mir:  „Ich dachte wirklich Stella ist die Eine. Die wahre Liebe.“ 

Ich tue es ihm nach, lege mich auf den Rücken und starre zur Decke: „Das dachte ich auch über Oliver. Also das mit der einen, großen, wahren Liebe“ 

Rayn seufzt: „Naja,  mein Vater hat immer gesagt, Liebe muss weh tun.“

Ich lege die Stirn in Falten und drehe mich auf die Seite um Rayn ansehen zu können: „Ich finde nicht, dass Liebe weh tun sollte.“ Mein Flüstern ist an mich selbst und gleichzeitig an ihn gerichtet. 

Rayn nickt und tut es mir nach. Er legt sich zur Seite und sieht mit diesen blauen Augen in meine: „Doch sie muss scheiße nochmal weh tun, damit die richtige Liebe dann umso mehr gut tut.“ 

Mein Lachen ist überraschend, weshalb auch ich mich etwas davon erschrecke. Als ich mich wieder etwas beruhige, fällt mir der unverständliche Blick meines Gegenübers auf: „Entschuldige aber, das Paradoxe ist, dass ich nicht glaube, dass ich mich noch einmal verlieben kann.“ 

Rayn zieht eine Schnute.

 Ich boxe in seinen Arm: „Jetzt schau nicht so. Klar, viele Menschen passen zusammen und natürlich finde ich sicherlich wieder eine Liebe…aber eine solche?“ 

Er atmet tief durch, lässt sich zurück auf den Rücken fallen und starrt wieder an die Decke: „Du bist jung, Rosie. Mit deinen Einundzwanzig dachte ich auch, dass ich mich nie wieder verlieben könnte. Trotzdem bin ich nur vier Monate nach meiner ersten großen Liebe in die nächste Kreissäge gelaufen…“  

Seine Worte klingen verbittert. Seine Gefühle sind meinen so ähnlich, dass ich mich ihm unheimlich verbunden fühle. „Wolltest du Stella denn heiraten?“, frage ich ungeniert. Meine Gedanken kreisen um seine Worte. Liebe ist wirklich etwas Unheimliches. Manchmal ist sie so mächtig, dass man sich selbst für eine ganze Zeit vergisst. 

„Nein. Im Nachhinein ist mir klar, dass das mit Stella und mir niemals geklappt hätte“, Rayn lächelt zu mir herüber. Seine Augen sehen in meine.  Sie sind wie eine tiefe See. Undurchdringlich, schwingend, etwas geheimnisvoll und doch wunderschön. Ich schüttle meinen Kopf und seufze: „Genau in dem Moment als ich sie…naja als ich Oliver sah, wie er zwischen den Beinen einer Anderen lag, wurde mir bewusst, dass wir schon lange nicht mehr glücklich waren…“, meine Ehrlichkeit lässt mich zittern. In den letzten Monaten habe ich nie darüber gesprochen. Nie.

Rayns weiche Hand berührt meinen Arm. Diese Berührung lässt mich erschaudern. Der Kloß in meinem Hals wird härter, mein Herz scheint in meiner Brust zu zerspringen. Das Gefühl von so viel Nähe scheint mich zu zersprengen. 

Ich lege meine Hand auf seine. Auch wenn die Berührung dafür sorgt, dass ich fast einen Infarkt erleide, genieße ich sie gleichzeitig. Es fühlt sich geborgen an. 

„Wir sollten vielleicht etwas schlafen“, höre ich Rayns Worte von Weit weg an mich drängen. 

Es scheint als wäre ich unter seiner zarten Berührung schon lange in die Welt der Träume gefallen. 

Eine Nacht, die alles verändert ?

Ich blinzle. Mein Blick fällt sofort auf die atemberaubende Aussicht auf das Festival. 

Der gestrige Abend war also kein Traum. 

„Oh, du bist wach.“ 

Hastig hebe ich meinen Kopf und erschrecke gleichzeitig. Verdammt. 

Bin ich etwa auf Rayns Brust gerollt? 

Ich starre auf seinen nackten, gephotoshopden Körper hinunter. Er lächelt lieb und streicht mit seiner Hand über meinen Arm: „Du hast so niedlich geschlafen, da wollte ich dich nicht wecken“, er wirft die Decke zurück und schwingt sich aus den Laken: „Aber ich bin froh das du wach bist, ich muss sowas von Pinkeln.“ 

Sein tiefes Lachen erfüllt den Raum, während er in das Badezimmer eilt. 

Noch immer fassungslos sehe ich an mir hinunter. 

Gut. Wir haben nicht miteinander geschlafen. Also wirklich nur gekuschelt. Oh Gott, ich habe auf ihm geschlafen, obwohl er aufs Klo musste…

Ich schlage mir gegen die Stirn. Dieser Typ ist wirklich geduldig. 

„Wie viel Uhr ist es?“, murmle ich und vermeide es auf mein Smartphone zu sehen. Noch immer erreichen mich über Instagram einige mitleidige Nachrichten, weshalb ich in letzter Zeit eher ohne Whatsapp auskam. 

„Fünf. Rechtzeitig zu einem tollen Mittagessen bevor wir uns wieder ins Getümmel stürzen“, kommt Rayn lächelnd zurück. 

Ich schlucke. Bei seinem Anblick bleibt mir kurz die Spucke weg. Wie kann ein Mann so gut aussehen? 

Verbringt er die Hälfte seines Lebens im Fitness? Er sieht in dieser Boxer einfach verboten gut aus.  

Langsam setzt er sich an den Rand des Bettes: „Kitty war vorhin kurz hier und hat dir neue Klamotten bereitgelegt.“ 

Diese Gastfreundschaft ist wirklich zu viel für mich. Wie können zwei Menschen die mich und Miriam gar nicht kennen so unglaublich nett sein? 

„Das ist wirklich lieb von ihr. Wir wollten euch, also ich meine, ich will dir keinen Umstand bereiten. Es tut mir leid, dass ich an deiner Schulter geschlafen habe. Ich bin es einfach gewohnt zu kuscheln und da die letzten Wochen keiner da war, habe ich mich wohl einfach fallen…“ 

Rayn hebt seine Hand an meine Schläfe. Damit verstumme ich. 

Seine Finger fahren leichte Spuren, welche mich vollkommen in ihren Bann ziehen. Ich kann nicht atmen. 

Seine blauen Augen fixieren mich. Das leichte Schmunzeln, dass seine Lippen umspielt, diese Fürsorge und gleichzeitige Neugier in diesem Blick. 

„Hör auf dich zu entschuldigen, Rosie. Ich bin okay“, murmelt er und scheint dabei jedoch noch immer ganz vertieft in mich. 

Was passiert hier? 

Seine Augen wandern zu meinen Lippen. 

Mein Herz legt noch eine Gang zu. Ich habe das Gefühl genau jetzt zu sterben. 

Er rückt etwas näher an mich heran. Mein Körper tut es ihm nach. 

Was? Wieso? 

Ich habe keine Kontrolle mehr, surfe in den Wellen seiner Augen, vibriere unter jeder seiner Berührungen, ich kapituliere… gebe mich hin und…

Die Tür wird auf geschlagen. 

Ertappt fahren Rayn und ich auseinander. 

Mein Kopf schwingt schnell zur Tür herum. Miriam steht darin. Sie sieht aus als hätte sie schon jetzt zu tief ins Glas geschaut: „Oh, sorry…“, ihr Kichern ist wissend: „Ich wollte euch nicht unterbrechen.“ 

Sofort stehe ich auf und schüttle den Kopf: „Das hast du nicht.“ 

Den ersten Kuss nach Oliver hätte ich auch ungerne in diesem Zustand erlebt. Ich fühle mich hundeelend, trotz dem außerordentlich guten Schlaf und brauche dingend eine Dusche. 

„Ich wollte gerade in die Dusche hüpfen“, plappere ich weiter, um diese peinliche Situation zu überspielen: „Bei dir alles gut?“ 

Meine Stimme wird automatisch höher.

Miriam lacht und nickt: „Viermal so gut wie sonst, wenn du verstehst was ich meine…“ 

Ich muss mit Lachen. Sie hat schon wieder ordentlich getrunken. Was geht da unten vor sich, während Rayn und ich unseren Kater ausschlafen? 

„Ich wollte nur mal nach dir sehen. Kitty meinte das Rayn, also das du…“, ihr Blick fährt herum zu Rayn, der noch immer auf dem Bett sitzt und zwischen uns hin und her sieht. Ich sehe wie Miriam sich jeden AB des Sixpacks eingeprägt: „Sie meinte du wärst Frühstück holen.“ 

Ihm scheinen die Blicke nicht zu entgehen, weshalb er das T-Shirt vom Boden nimmt und es überzieht: „Das wollte ich eigentlich auch. Aber ich wollte Rosie nicht wecken.“

Beschämt schlucke ich. 

Was ist da gerade zwischen uns passiert? 

„Ja klar wolltest du das nicht“, Miri zwinkert, nimmt den Knauf der Tür in ihre Finger und gleitet mit einem wissenden Grinsen wieder hinaus. Mit einem Knacken fällt die Tür ins Schloss. 

Schlagartig gerät Leben in mich: „Ich…also ich gehe duschen.“

Den ganzen Nachmittag über verbringen wir damit uns wieder in die richtige Stimmung zu bringen. Als Miriam mich zur Nacht ausfragen wollte, winkte ich nur ab und erklärte, dass ich keineswegs mit ihm geschlafen habe. Zu meiner Verwunderung klang es ausgesprochen enttäuscht. Doch darüber machte ich mir nun keine Gedanken. 

Stattdessen leere ich das Bier und schwinge mich zur Musik. Es ist seltsam aber wir verstehen uns alle so gut, als wären wir seit langem gute Freunde. Und als das Feuerwerk die Nacht einleitet, die Bässe noch härter werden und die Menge unter uns richtig los legt, entscheiden auch wir, wieder zurück auf den Platz zu gehen. 

Echte Küsse, wahre Liebe und andere Schandtaten?!

„Shit, ich hab die Karte vergessen“, mit weit aufgerissenen Augen nehme ich die Hand aus meinem BH. Die Eintrittskarte, welche man bei den Wachmännern im vorderen Bereich beim Kommen zeigen musste, lag noch oben in Rayns Badezimmer. Ich hatte sie heute Nachmittag neben die verschmutze Wäsche gelegt und sie dann vergessen wieder einzustecken. 

Miriam greift sich an die Stirn: „Oh man Rosie, wenn dein Kopf nicht angewachsen wäre…“

Verdammt. Ich sehe dem Festival-Wagen nach der gerade wieder den Hügel hinauffährt.

Die Runde sieht mich einen Moment mitleidig an, da wir genau wissen wie lange es dauert bis die nächste kommt. 

Rayn lächelt und stoßt gegen meinen Arm: „Kein Problem, wir können gerne hochlaufen.“ 

Meine Augen gleiten in seine. Meint er das Ernst? Es dauert locker eine halbe Stunde da rauf…

„Ja, Rayn könnte dich begleiten und wir gehen einfach schon mal vor“, stimmt Kitty zu. Die Vier werfen sich verheißungsvolle Blicke zu, welche mich leicht aus dem Konzert bringen. 

Was haben sie vor?

Hilfesuchend wende ich mich an meine beste Freundin, doch sie zuckt mit den Schultern. Der Alkohol lässt sie zu einem ganz schönen Miststück werden. Sie zwinkert und murmelt: „Es gibt wirklich schlimmeres, als mit  Rayn alleine zu sein.“

Die Vier kichern, dann lassen sie von uns ab. 

Was wirklich? Das können sie mir doch nicht antun. 

Augenblicklich scheint die Wüste von Nevada nicht mehr groß genug zu sein. Die kühle Abendlust wirkt warm und abgestanden,  mein Herz katapultiert das Blut wieder in Höchstleistungen durch meinen Körper und diesmal setzt sogar dieses schmerzende Gefühl in meinem Unterleib ein. 

Langsam drehe ich mich zu Rayn um und ringe mir ein Lächeln ab: „Danke, dass du mit mir gehst.“ 

Er nickt: „Selbstverständlich“, dann greift er nach meinem Rücken und dreht mich in Richtung der Hügel: „Na dann, Madame. Holen wir ihre Karte.“ 

Rayn scheint keineswegs nervös zu sein. Im Gegenteil, vielleicht ist es wegen des Alkohols oder des berauschendes Gefühl des Festivals, aber er erzählt mir von seinen Zwanzigern und des Öfteren bringt er mich damit zum Lachen.

„Als ich das letzte Mal hier war, war es mit Leonie. Sie war meine damalige Freundin und wir haben in einem der Zelte geschlafen, da ich mir nicht mehr leisten konnte. Leonie war meine Erste richtige Liebe…“, gestand er mir und grinste nachdenklich: „War ne coole Zeit. Bis sie meinem Englisch Professor geschlafen hat.“ 

Wir sehen uns an und lachen: „Mit deinem Professor?“ 

Er nickt heftig und bekommt sich kaum wieder ein: „Er war gerade mal Vierunddreißig oder so und ich habe die Beiden vorgestellt und…“, er atmet tief: „Die Beiden habe heute zwei gesunde Kinder und sie leben in Brooklyn.“ 

Ich schüttle ungläubig den Kopf, während wir den letzten kurzen Weg zum Haus schreiten: „Ist nicht wahr? Das heißt, eigentlich hast du ihr zu ihrer großen Liebe verholfen.“ 

Rayn Zeit den Schlüssel für das Haus hervor. Statt aber die Tür aufzuschließen, bleibt er vor mir stehen und sieht mich an. 

Wieder kehrt dieses Gefühl zurück. Wieso nur beginnt mein Körper unter seinen Blicken so durchzudrehen? 

Ich räuspere mich, fixiere aber weiter seine Augen. 

„Das meine ich“, raunt er und hebt seine Finger. Wieder gleiten sie über mein Gesicht: „Das Ende dieser Beziehung tat mir unheimlich weh. Doch sie fand dadurch ihre wahre Liebe und als ich sie letztes Jahr an unserem Klassentreffen sah, wusste ich, dass es diesen Schmerz auf eine Art und Weise Wert war.“ 

Ich nicke leicht und beiße auf meine Unterlippe. Flüsternd spreche ich aus, was ich denke: „Es wäre schön zu wissen, dass irgendein Kerl das mal über mich denkt. Offensichtlich hast du sie genug geliebt, um letztlich glücklich für sie zu sein…“ 

Er lässt nicht von mir ab. Zeichnet zarte Kreise an meiner Schläfe. Mit einem Schritt tritt er näher an mich heran. 

„Was, wenn ich den Schmerz vor ein paar Monaten aushalten musste, nur um dir hier zu begegnen“, seine Augen liegen tief in meinen. Ich sehe die harten Wellen, welche an dem Rand der Iris treffen. Ich kann spüren, dass ich mir diese Anziehungskraft nicht eingebildet habe. Er hat also doch etwas für mich übrig…

Ganz offensichtlich hat er das Rosie. 

Ich neige mich ihm etwas entgegen, bis sich unsere Lippen treffen. 

Wow. 

Mit leichten Druck küsst er mich. Seine Lippen fühlen sich sanft an. Anders als die von Oliver. 

Besser. Er schmeckt nach dem Bier, welches wir vorhin noch getrunken haben und nach…nach Lust. Mit einem Seufzen öffne ich leicht meine Lippen. Unsere Zungen berühren sich, spielen miteinander. Ich versinke in dem Kuss. 

Als wäre ich die letzten Monate ertrunken und er würde mich wieder zum Leben erwecken.

Seine Finger greifen in mein Haar, ziehen mich näher an ihn und wieder keusche ich auf. 

Das alles ist überwältigend, unglaublich und…

Hastig tue ich einen Schritt zurück und starre ihn an. 

Auch er scheint völlig überrumpelt. Seine Augen sind von der Lust dunkel gefärbt, die Lippen vom Küssen geschwollen und auch sein Brustkorb scheint sich energisch zu heben. 

Ihm hat dieser Kuss genauso gefallen wie mir? 

Ich schüttle mich:  „Rayn, ich wollte, es…“ 

Er stimmt mir zu und greift nach dem Schlüssel: „Nein, das war mein Fehler. Ich hätte dich nicht Küssen dürfen.“ 

„Nein wir hätten uns nicht Küssen sollen“, stoße ich hervor und eile durch die Tür, welche genau in diesem Moment aufspringt. 

„Warte Rosie.“ 

Ich haste die Stufen nach oben und möchte mich einfach nur im Badezimmer einschließen. Keinesfalls kann ich jetzt darüber reden. Noch dazu werde ich mein Herz nicht erneut an jemanden verschenken. Nicht jetzt, nicht nach dem was mir Oliver angetan hat. 

Mein Herz ist gerade erst geheilt und hat es nicht verdient so schnell in einen neuen Sog der Liebe eingezogen zu werden. 

Ich stoße die Tür heftig hinter mir zu und stemme mich wild atmend dagegen. Was habe ich mir nur dabei gedacht mit einem Typen zu flirten, den ich gar nicht kenne? Wieso sind Miri und ich nicht schon gestern Abend wie geplant abgereist? Warum? Eine Träne findet den Weg an die Oberfläche. 

„Rosie, bitte. Es tut mir leid“, höre ich Rayns zarte Stimme vor der Tür. 

Ich schluchze. 

„Wein nicht, bitte. Ich bin ein Idiot. Das hätte ich wirklich nicht sagen sollen…“, er klingt wirklich bedauerlich, was meinen Herz nur noch einen weiteren Stich verpasst. 

„Komm schon, mach dich Tür auf…außer du willst hier alleine bleiben, dann lasse ich dich und gehe zu den anderen“, murmle der diplomatische gegen die Tür, indessen meine Tränen kein Ende finden. 

Was, wenn ich hier übertreibe? Schließlich haben wir Alkohol getrunken, viel getanzt, sind beide verletzlich und wahrscheinlich noch völlig durcheinander von den vergangen Wochen. Mit einem Ruck stoße ich mich von der Tür und öffne sie. 

Rayn sieht wirklich mitgenommen aus. Wahrscheinlich tut ihm diese Situation wirklich leid. 

Er sieht mich kurz an, dann schließt er mich fest in die Arme: „Du bist so schön und der Alkohol..ich wollte dir, also uns…“

Ich schüttelte den Kopf und sehe ihn an: „Im ersten Moment war ich einfach etwas überrumpelt.“ 

Mein Körper zieht sich etwas zurück. Es ist wohl besser, wenn wir uns jetzt nicht mehr zu nahe kommen. 

„Wir vergessen das einfach, ok?“, murmle ich mit einem leichten Lächeln und versuche ein Gesicht wieder in Ordnung zu bringen. 

Seine Stirn legt sich kurz in Falten, dann nickt er aber: „Wenn du das möchtest, natürlich.“ 

Alltag, eine Lüge und Vermissen

Wir sind gerade auf dem Campus angekommen, als Miriam die erste Nachricht von Chris empfängt: „Dieser Typ ist so heiß, Rosie! Wirklich im Ernst.“ Auf der Fahrt ging es ständig nur um seinen Oberkörper, seiner Arbeit, als Manager und darüber, dass er mit seinen Dreißig noch ziemlich Jung aussieht. Zum Glück trage ich eine Sonnenbrille, wodurch sie mir das Augen drehen nicht ansieht, aber ich bin genervt. 

Das ganze restliche Wochenende habe ich mich nämlich von Mr. NiceGuy Rayn ferngehalten. Stattdessen habe ich auf der Couch geschlafen, bin stets bei den Anderen geblieben und habe so viel wie nur Möglich versucht Abstand zwischen uns beide zu bringen. 

Wieso? Das weiß ich nun auch nicht mehr.

„Und zwischen dir und Rayn?“, nun wackelt meine Freundin mit den Augenbrauen. Verdammt, da war mir das Thema Chris doch eindeutig lieber: „Als ihr da zusammen auf dem Bett saßt, da hat es ja ordentlich zwischen euch gefun…“ 

„Zwischen wem hat es gefunkt?“

Augenblick gefriert das Blut in meinen Adern. Ich muss mich nicht umdrehen, um zu wissen, dass es Oliver ist. Er muss sich von hinten angeschlichen haben.

Miriam reagiert zuerst und dreht sich während des Laufens um. Mit einem verachtungsvollen Blick bleibt sie abrupt stehen: „Mit wem oder was und wann es gefunkt hat, geht dich gar nichts an!“

Auch komme zum Stehen und drehe mich zu ihm. 

Sein dunkles Haar ist verwuschelt, die grünen Augen sehen aus als bekäme er in den letzten Tagen nicht viel Schlaf.  Bei dem Gedanken, dass seine Neue dafür verantwortlich ist, wird mir übel. Aber ich wahre Haltung und versuche an die Liebe zu denken, welche wir lange geteilt haben.

„Ach, ihr wart dieses Wochenende auf dem Festival oder?“, sagt er beiläufig, indessen seine Augen über das Kleid, welches Kitty gewaschen hat, gleiten: „Du siehst toll aus.“ 

Wieder verdrehe ich die Augen, allerdings wird er das nicht sehen, da ich noch immer die Sonnenbrille trage: „Was willst du?“ 

Er zuckt mit den Schultern: „Ich habe mit deiner Mum gesprochen und sie meinte das du noch ziemlich fertig bist und…“ 

Ich schnaube verächtlich auf und lache fast hysterisch. Meine Mum und ihr großes Mundwerk: „Ach Oli, diese Welt dreht sich nicht einzig und allein um dich! Ich habe jemand Neues kennengelernt. Deshalb hat es gefunkt.“ 

Mein großkotziges, verletztes Ego hat die Worte schneller gesagt, als ich wirklich denken konnte. 

Miris Augen gleiten entzückt in meine. 

„Oh, achso, ja klar“, fährt sich mein Gegenüber verlegen durch die Haare. Er sieht lässig aus wie immer, allerdings scheint ihn meine Information trotzdem etwas zu stören. Treffer für mich!

„Dann bringst du ihn sicher mit zum Abschlussball, oder?“ 

Mit diesen Worten trifft er genau ins Schwarze. Schwindel überkommt mich. 

Shit. Der Ball des College , daran habe ich gar nicht gedacht! 

„Natürlich kommt sie mit ihm und jetzt entschuldige uns bitte. Wir haben dieses Wochenende nicht viel Schlaf bekommen, wenn du verstehst was ich meine“, Miriams Worte bekomme ich nur am Rande mit, trotzdem bin ich froh., dass sie sofort kontert. 

Sie nimmt mich am Arm und zerrt mich mit sich den Campus entlang: „Also hast du seine Nummer? Es ist doch was gelaufen?“ 

Ihre Stimme ist so leise, dass selbst ich sie kaum verstehen kann. Doch ich schüttle den Kopf. Ich habe seine Nummer nicht, da ich darauf verzichtet habe mich auszutauschen. Lediglich Kitty bestand darauf, dass wir uns erreichen können und wegen dem Hilfsangebot für einen Job, habe ich sie auch dankend angenommen. 

Wie sollte ich also einen Typen mit zu dem Abschlussball nehmen, den ich eigentlich gar nicht kenne und gleichzeitig wie sollte ich ihn erreichen, wenn ich doch gar keine Nummer von ihm habe? 

Wahre Überraschungen und viel freundschaftliche Liebe!

Es bleib nicht viel Zeit mir den Kopf darüber zu zerbrechen, denn nur ein Tag später hatte ich mein Vorstellungsgespräch bei Warner und Group. Es ist wohl der erfolgreichste Verlag der Westküste und deshalb unheimlich beliebt. Ich musste mich heute ausschließlich darauf konzentrieren, um wenigstens diese eine Sache in meinem Leben nicht zu verhauen. 

Und als der Rekrutier mich stolz aus seinem Büro entließ, mit den Worten, dass ich gerne bereits am nächsten Tag anfangen kann, platze ich fast vor Freude. 

Die Gedanken an Oliver und die bevorstehende Abschlussfeier rücken in Weite ferne und als Miriam und ich den Abend miteinander feiern, scheint das Alles gar keine Rolle mehr zu spielen. 

In wenigen Monaten halte ich nämlich mein Zeugnis in den Händen, kann in diese große Welt hinausziehen, die nun endlich einen Platz für mich bereithält. Das Gefühl, welches ich anfänglich des Festivals hatte kehrt zurück. 

Ich bin frei.

„Und wie ist dien Gespräch gelaufen?“, frage ich Miri, nachdem wir schon zwei Kurze auf meinen Erfolg getrunken haben. Sie zieht die Schultern nach oben. Ihr blonder Pferdeschwanz liegt darüber und verdeckt mit seiner Länge fast ihr Dekolleté. 

„Ich war gar nicht erst da“, gesteht mir meine Freundin. 

Eine Falte entsteht auf meiner Stirn. Ja, in den letzten Jahren haben ich und Miriam nur wenig Zeit miteinander geteilt, trotzdem weiß ich, dass sie seit dem College Anfang unbedingt in einer Redaktion als Journalistin arbeiten will. Und als vor ein paar Wochen die Bestätigung kam, dass sie sich bei einem kleinem Sender vorstellen darf, dachte ich eigentlich wirklich, sie würde sich darauf freuen. 

„Verstehe mich nicht Falsch, Rosie. Aber ich habe mein Leben lang davon gesprochen Journalistin zu werden. Was, wenn ich dabei andere Möglichkeiten ausgeschlossen habe?“, so Ernst habe ich sie schon lange nicht mehr gesehen. 

Ich ziehe eine Augenbraue nach oben: „Die da wären?“ 

Sie lacht und nippt an ihrem Drink, bevor sie weiterspricht: „Weißt du, eigentlich kann ich mich gar nicht auf einen Bürojob festlegen. Viel lieber würde ich weiterhin Frei leben und tuen was mir Spaß macht.“ 

Natürlich verstehe ich was sie meint. Befindet sich nicht jeder Teenie mal in diesem Blues? Aber es nützt alles nichts. Nach dem Collegeabschluss müssen wir alle einmal Flügge werden und Jobs finden. 

„Wie willst du denn unsere Miete zahlen, wenn du machst, was wir Spaß macht?“, stoße ich sie am Oberarm und grinse. Das wir irgendwann zusammenziehen ist eigentlich schon der Plan seit wir Klein sind. Mit Oliver ist er für eine Zeit in weite Ferne gerückt, nun da sich die Dinge geändert haben, könnten wir diesen Plan nun in die Wirklichkeit umsetzen. 

Miriam senkt ihren Blick und in diesem Moment verstehe ich, worauf sie hinaus will. Ganz offensichtlich haben sich auch ihre Pläne geändert. 

Sie seufzt und umfasst meine Finger fürsorglich: „Ich hab dich wirklich lieb, Rosie, allerdings glaube ich, dass wir nicht zusammenziehen können. Ich muss nochmal hier raus und weg und die Welt sehen.“

Ich nicke langsam. Die Information scheint ewig zu brauchen, bis sie mein Gehirn gänzlich verarbeitet hat. 

„An dem Wochenende mit Chris ist mir klar geworden, dass ich mehr davon will“, sie beißt sich in die Unterlippe: „Viel mehr. Das mit Chris war lustig und hat Spaß gemacht, aber das er nicht der Mann fürs Leben ist hast du wahrscheinlich auch gemerkt.“ 

Sie lacht kurz auf.

Meine Freundin ist einfach noch nicht bereit in dieses Leben hinaus zu schreiten. Anders als ich möchte sie noch nicht sesshaft werden und ankommen. 

„Ich verstehe dich“, sage ich mit fester Stimme und drücke ihre Finger: „Es ist ok.“ 

Ein Lächeln breiter sich auf dem Gesicht meiner Freundin aus: „Wirklich?“ 

„Klaro. Ich werde mit dem guten Geld, dass ich verdiene einfach ein Futon ins Wohnzimmer stellen, dass du mich immer besuchen kannst, wenn du wieder an der Westküste bist“, meine Stimme klingt stolz, weil ich es gar nicht erwarten kann, endlich für mein eigenes Lebe zu sorgen. 

Und zwischen all dem ist da wahre Liebe?

Der Abschlussball rückt immer näher, doch daran kann ich gerade wirklich nicht denken. Die ersten Tage in meinem Job haben begonnen und die neuen Eindrücke hauen mich jeden Tag aufs Neue um. 

„Also hier kannst du einen Moment warten. Er nimmt sich immer die Zeit, seine neuen Schützlinge persönlich kennenzulernen“, Marie lässt mich in das große Büro, mit Blick über San Diego zurück. Ich ignoriere die Vorfreude und gleichzeitig Angst, die sich in meinem Körper anstauen. Gleich werde ich den Chef des Verlags kennenlernen. Um ehrlich zu sein hätte ich nicht erwartet, dass dies passiert. Zum einen weil ich gerade erst anfing und praktisch noch den Praktikanten Status habe, bis ich den Abschluss Schwarz auf Weiß hatte, zum Anderen weil ich wusste, dass Unternehmer nie Zeit hatten. 

Ihn nun kennenzulernen, brachte mich leicht aus der Fassung.

„Gulag Tag Miss….“, die Stimme verstummt kurz.

Ich wende mich zur Tür, während der Herr in dem Hosenanzug gerade versucht meinen Namen zu  lesen. Zugegeben durch meine Vorfahren aus Mexiko ist er nicht ganz so einfach. Ich lächle: „Romaziersanchez“ 

Mein Gegenüber hebt den Kopf und sieht direkt in meine Augen. 

Shit. 

Auch ihm scheint in diesem Moment etwas aufzufallen, weshalb die Akte in seinen Händen zu Boden segelt. 

Das ist Rayn. Rayn in einem unglaublich heißen Hosenanzug, mit zurückgelegten Haaren, überraschendem, fast entsetzlichem Gesicht und noch gebräunter Haut von unserem Wochenende. 

Für einen Moment scheint die Illusion des perfekten Jobs in meinem Kopf zu zerplatzen. Wie kann es sein, dass ich zwischen den aber tausenden Verlagen ausgerechneten diesen finde, welcher Rayn gehört? Schicksal? Niemals, einfach nur Pech!

„Rosie, dass ist ja…“, sein Lächeln ist so ehrlich, dass mir für einen Moment schlecht wird: „Schön dich zu sehen!“ 

Er tritt näher an mich heran und bleibt etwas schüchtern vor mir stehen. Offensichtlich weiß er nicht, ob er mir in die Arme fallen kann oder ich ihn dann wieder völlig grundlos zusammenstauche. Um ehrlich zu sein, könnte ich meine Stimmung aber auch nicht zuordnen. 

„Ich wusste nicht, dass meine Schwester…“ 

„Hat sie nicht“, unterbreche ich gleich, um klarzustellen, dass ich mir diese Stelle alleine ergattert habe. 

Er nickt und das Grinsen in seinem Gesicht wird noch breiter: „Dann habe ich wohl die richtigen Rekrutier eingestellt.“ 

Rayn geht an mir vorbei zu seinem Schreibtisch und beugt sich kurz. Mit einem Klicken öffnet et einen Schrank und holt eine Flasche Wasser hervor: „Was trinken?“ 

Ich schüttle den Kopf. 

Während er sich etwas einschenkt, sieht er mich wieder an: „Dann stoße ich alleine auf dich an.“ 

Abermals würde ich zu gerne den Kopf schütteln: „Ich kann unmöglich hier arbeiten…“ 

Er blickt zu mir auf. Etwas entsetzen spiegelt sich in seinem Gesicht wieder. Dann aber scheint er zu verstehen: „Ich werde dich nicht anfassen, Rosie. Zumindest nicht, wenn du das nicht möchtest.“ 

Ich räuspere mich und senke den Blick. Unabhängig von meiner Lüge gegenüber Oli, habe ich oft an Rayn gedacht. An seine großen Hände, sein Lachen und wie gut es sich angefühlt hat an seiner Brust zu liegen. Mal abgesehen von dem Kuss, der mir noch immer wilde Träume beschert. 

„Ich glaube nicht, dass das eine gute Idee ist“, ich beiße auf meine Unterlippe und weiß gerade nicht was ich denken soll. 

Was hat es zu bedeuten, wenn der Mann, der seit ein paar Tagen in meinem Kopf herumgeistert, mein Chef ist? Sind das wahre Gefühle und liebe ich ihn?

Rayn steht von seinem Platz auf und kommt herum: „Ich möchte wirklich nicht, dass deine Karriere darunter leidet, dass ich an diesem Wochenende so….“, er zögert kurz, dann lacht er auf: „So plump war. Wir hatten Alkohol getrunken und ich schwöre dir es wird nicht wieder vorkommen.“ 

Ich nicke langsam. Bei seinen Worten regt sich etwas in meinem Bauch. Es wird also nie wieder so sein? 

„Ich wollte dich sowieso fragen, ob du etwas dagegen hättest, wenn Kitty und ich zu eurem Abschlussball kommen? Miriam meinte, dass würde klar gehen.“ 

WAS?

Es war klar, dass Miri sich nicht raushalten kann. Natürlich muss sie nach meiner Lüge gegenüber Oliver dafür gesorgt haben, dass Rayn wirklich zu unserem Abschluss kommt. Allerdings frage ich mich wirklich, wann sie mir das mitteilen wollte. 

„Rayn wirklich, dass halte ich alles für gar keine gute Idee…Ich denke nicht, dass…“, er unterbricht mich, indem er mit einer Hand abwinkt und noch etwas näher an mich herantretet: „Vergiss doch mal was Gut und was Schlecht ist. Ich bin mir sicher, dass wir Spaß haben werden.“ 

„Aber die Leute im Büro und auf der Party und…“, versuche ich ihm zu erklären, dass nicht alles so einfach ist, wie er sich das vorstellt. 

„Ich leite seit einigen Jahren diese Agentur und um ehrlich zu sein, war mir das Gerede der Leute schon immer egal“, dies sagte er mehr zu sich selbst als zu mir.  

Er tritt noch einen Schritt näher an mich heran. 

Von seinem männlichen Parfüm wird mir schwindelig. Aber es liegt nicht nur daran, eher an seiner Ausstrahlung und diesem gewissen Etwas, dass ich schon auf dem Festival bemerkt hatte. 

Ich lecke mir über die Lippen, indessen er noch näher kommt und meine Augen fixiert. 

„Sag mir das es Falsch ist und ich werde dich gehen lassen. Du wirst hier arbeiten und ich werde nie wieder erwähnen, was zwischen uns passiert ist…“, haucht er gegen mein Gesicht, indessen seine Hand an meiner Wange schwebt. 

Ich schüttle den Kopf, sehe zwischen seinen Lippen und diesen großen Augen hin und her. Natürlich will ich es nicht wahrhaben, aber ich habe mich in diesen Mann verliebt. Hals über Kopf habe ich mich in ihn gestürzt. Ich kann nicht länger ignorieren, was ich fühle. 

„Nein, ich will nicht…du, du sollst nicht wieder gehen“, gestehe ich, lehne mich gegen seine Finger und schließe die Augen. 

Ich spüre sein Lächeln und im nächsten Moment liegen seine Lippen auf meinen. 

Das war die kurze Liebesgeschichte „Und manchmal ist es wahre Liebe“ Wir hoffen natürlich, dass es dir gefallen hat.

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Dein MoramoreTeam <3